Man singt deutsch
Man singt deutsch
Eine gesetzliche Quote für deutsche Musik hat in der Bevölkerung kaum Chancen. „Politik goes Pop". Allein dieser Titel wäre schon ein Anstoß, denn es geht ums Deutsche, genauer um Musik aus Deutschland. Und schon hier fängt das Problem an.
Während die Initiative „Musiker in eigener Sache" mit großer Unterstützung aus den eigenen Reihe einen staatlich geregelten Anteil „deutscher Musik" fordert, fragen Skeptiker der Quote: Was ist mit deutschen Künstlern, die aber englisch singen? Genau so hoch her ging die Diskussion kürzlich auch im Bundestagsausschuss für Kultur und Medien. Denn unter großem Andrang der Musiker beschäftigt sich nun auch das politische Berlin mit dem Für und Wider einer Quote. In der Bevölkerung findet indes ein verordneter Mindestanteil deutschsprachiger Musik in Radio und Fernsehen nur eingeschränkten Rückhalt: 48 Prozent der Deutschen sind einer repräsentativen Online-Umfrage des Medienservice-Unternehmens F&S Internet Infotainment zufolge gegen eine solche gesetzliche Reglementierung. Lediglich sieben Prozent halten - ähnlich den französischen Verhältnissen - eine Quote von über 30 Prozent deutschsprachiger Musik für angebracht.
Mehr deutsche Töne?
Eindeutiger noch ist die Einstellung der Bundesbürger zu den Forderungen der Musiker-Initiative: Fast 78 Prozent halten nichts vom Ansinnen, das Künstler wie Udo Lindenberg und Xavier Naidoo sowie Politiker wie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Antje Vollmer, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, vorbringen. Für jeden Dritten ist der Mindestanteil deutscher Rock-, Pop- und Schlagermusik in Rundfunk und TV ein „massiver Eingriff in die freien Marktkräfte"; jeweils 21 Prozent wollen sich „nicht bevormunden" lassen oder es graut ihnen „vor dem geregelten Deutschtum". Nur sieben Prozent verweisen auf den Bildungsauftrag vor allem der öffentlichrechtlichen Sender, zu dem eben auch eine Gleichberechtigung deutscher Popmusik gehöre. Weitere 21 Prozent stützen die Idee der Initiative,weil sie sich ein steigendes Qualitätsniveau dieser Musik erhoffen sowie ein Eindämmen der kommerziellen Interessen, das die Musikindustrie angeblich verfolgt.
Zwar ist sich wiederum jeder dritte Umfrageteilnehmer sicher, dass es „gute deutschsprachige Musik" mit ordentlichen Texten gibt; aber 45 Prozent sagen auch, die derzeit geübte Praxis in den Sendern ist „völlig okay" - es könne „jeder etwas nach seinem Geschmack" finden. Und dieser Geschmack ist auch ziemlich deutlich ausgeprägt: 58 Prozent der befragten Bürger bevorzugen „englischsprachige Popmusik". Sieben Prozent hören lieber deutsche Schlager, weitere 16 Prozent deutschen Rock. Wie hoch der Anteil deutschsprachiger Musik tatsächlich ist, darüber stritten bei der Anhörung im Kulturausschuss die Befürworter und Gegner der staatlich verordneten Quote. Der „gefühlte" Anteil deutsch gesungener Musik im Radio wird von jedem Dritten der jetzt befragten Bürger mit fünf bis zehn Prozent eingeschätzt, bei jedem Vierten mit zehn bis 15 Prozent. Aber nur sieben bzw. elf Prozent fordern auch eine gesetzliche Festsetzung des entsprechenden Anteils. Rund jeder Zweite sagt: „Ich bin gegen eine Quote!".
Hintergrund
- Neu ist die Idee einer Quoteneinführung für deutsche Musik nicht: Mitte der 90er-Jahre hatten sich Künstler wie Heinz Rudolf Kunze bereits schon für eine staatliche Regelung engagiert. Ihr Vorbild heißt Frankreich: Dort müssen Radiosender seit 1996 mindestens 40 Prozent französischsprachige Titel senden. 20 Prozent dürfen nicht älter als sechs Monate sein, so soll jungen Künstlern ausreichend Raum gegeben werden.
- Was die deutsche Diskussion nun unterscheidet, ist, dass die Forderung große Unterstützung erfährt. Den Internet-Aufruf der Initiative haben bereits über 600 Künstler unterzeichnet - neben den Oldies Wolf Maahn über Peter Maffay und Reinhard Mey auch jüngere Stars wie Yvonne Catterfeld, Max Herre und Mousse T. Für die Gegner der Quote ist diese ein massiver Eingriff in Rundfunkrecht und -freiheit Und die sind zudem ausschließlich Länderangelegenheit. Bemerkenswert ist, dass die Debatte just in dem Moment entbrannte, als die Phonoindustrie massiv Plattenverträge mit deutschen Künstlern kündigte - mangels Erfolg.
Quelle: Medienservice-Unternehmen F&S Internet Infotainment GmbH
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