Frequenzvergabe in Berlin - Aus für 100,6
Frequenzvergabe in Berlin - Aus für 100,6
Die heutige Entscheidung des Medienrats der Medienanstalt Berlin-Brandenburg zur Vergabe der drei Berliner Frequenzen 87,9 MHz, 100,6 MHz und 104,1 MHz schwankt zwischen Innovation und Besitzstandswahrung.
Besonderen Augenmerk legten dabei die Beobachter auf die Vergabe der Frequenz 100,6 MHz, auf der einst Berlins erfolgreichster Privatsender Hundert,6 sendete. Allerdings war der Sender in der letzten Zeit doch recht erfolglos und sorgte eher mit Randerscheinungen wie einem überraschenden nächtlichen Standortwechsel, dubiosen Gesellschafterwechseln sowie der Kaltstellung von fast der gesamten Mannschaft durch Geschäftsführer Thomas Thimme für Schlagzeilen. Am Schluss blieb die Insolvenz mit Rückgabe der Sendelizenz am 28. September 2005 durch den Insolvenzverwalter.
Thimme mobilisierte daraufhin eine illustre Prominentenriege als neue Gesellschafter – von Michel Friedmann bis zu Otto Schily, um bei der anstehenden Frequenzvergabe wieder berücksichtigt zu werden. Umsonst. Die UKW-Hörfunkfrequenz 100,6 MHz geht an zwei Antragsteller: die NZ Netzeitung Beteiligungsgesellschaft mbH sowie der Plattform für regionale Musikwirtschaft GmbH i. G. (Tim Renner u. a.), deren Beteiligung dann an die Stelle der Verbreitung von Motor FM auf der UKW-Hörfunkfrequenz 106,8 MHz treten würde.
Hundert,6 = Web FM
Tim Renner ist mit seinem Motor FM ja bereits auf der 106,8 MHz aktiv. Die Frequenz ist gesplittet, tagsüber sendet Radio Teddy sein Kinderprogramm; abends bzw. in den Nachtstunden Motor FM. Mit Renners Lizenz für die 100,6, verlässt er die 106,8 MHz. Radio Teddy dürfte sich freuen, scheinen sie damit die Frequenz jetzt 24 Stunden bedienen zu dürfen.
Ob Renner - der von den wenig attraktiven bisherigen Sendezeiten unbedingt weg wollte - mit dieser Kooperation mit der „Netzeitung“ glücklich werden wird, muss sich zeigen.
Die Online-Tageszeitung „Netzeitung“ war im Sommer 2005 vom norwegischen Medienkonzern Orkla Media übernommen worden.
Innovatives Radio?
Der Medienrat sieht in der Kombination dieser Anträge die Chance auf ein neues Angebot, das innovative Ansätze bei der Gestaltung des Wortprogramms mit einem innovativen Musikprogramm vereint. Gemeinsam ist bei beiden Antragstellern ihre starke Internet-Ausrichtung inklusive von Podcasting-Angeboten. Beide Antragsteller werden aufgefordert, dem Medienrat bis zum 10. Januar 2006 darzulegen, wie eine solche Kooperation gestaltet werden würde. Die Antragsteller sind weiter aufgefordert, in Gespräche mit dem Insolvenzverwalter der Radio Hundert,6 Medien GmbH darüber einzutreten, wie der wirtschaftliche Wert abgegolten werden kann, der in der Nutzung einer aufgebauten und eingeführten Frequenz liegt. Die Netzeitung hat außerdem in Aussicht gestellt, Mitarbeiter von Hundert,6 zu übernehmen.
87,9 MHz = Star FM
Freude bei den Mainstream-Rockern der Hauptstadt: Die zweite UKW-Hörfunkfrequenz wird im Sinne der Besitzstandswahrung an die Dornier Medien Beteiligungs GmbH & Co. KG zur Veranstaltung des Programms STAR FM MAXIMUM ROCK! vergeben. Dornier hat bisher auf der Grundlage einer Vereinbarung mit Voice of America auf dieser Frequenz bereits das Programm STAR FM MAXIMUM ROCK! veranstaltet, das nun über volle 24 Stunden auf der Grundlage einer eigenständigen Sendeerlaubnis fortgesetzt werden kann.
104,1 MHz = National Public Radio (NPR)
Die ehemalige Veranstaltungsfunkfrequenz 104,1 MHz UKW wird erstmalig an den Antragsteller National Public Radio (NPR) vergeben, der auf der Grundlage von § 34 Abs. 5 MStV ein Programm veranstalten wird, das an die besonderen Beziehungen Berlins zu den Vereinigten Staaten von Amerika anknüpfen und diese fortentwickeln wird.
Das eine der zu vergebenen Frequenzen an einen der beiden amerikanischen Antragsteller (NPR, VoA) gehen würde war klar. Das verlangt in Berlin schon die Political Correctness. Bislang senden in Berlin alle Ex-Alliierten traditionell auf eigenen terrestrischen Frequenzen (BBC, RFI). Nur dass die Voice of America jetzt ihre alte Lizenz für die 87,9 MHz verliert und die NPR den Zuschlag für die neue Frequenz 104,1 MHz erhält.
Die etablierten Sender in Berlin werden mit diesen Entscheidungen der MABB prima leben können. Denn, es ist kaum zu erwarten, dass einer der neuen Sender die Hörerschaft in der Hauptstadt aufmischt. Stattdessen werden Sparten bedient bzw. erhalten. Die abgesteckten Claims bleiben also unberührt.
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