Dienstag, 07. Februar 2012
   
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Web fördert alternative Formate - eine Mär

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MusikdownloadsProgramme aus dem Radio werden bekanntlich via Antenne, Kabel oder Satellit verbreitet. Mit dem Internet hat sich ein weiterer Weg der Verbreitung herausgebildet, der in den letzten Jahren zunehmend genutzt wurde.

Zwar sind es weiterhin weniger als 20 Prozent aller Onliner, die bereits von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben. Angesichts der gestiegenen Zahl der Nutzer hat sich das Potenzial der Internet-Radiohörer in den letzten Jahren jedoch nahezu verdreifacht: 6,37 Millionen Erwachsene in Deutschland, dies sind 17 Prozent aller Internetnutzer, haben bereits über das Internet Radio gehört: 1999 waren es erst 1,68 Millionen Erwachsene.

Die ARD-ZDF-Online-Studie 2005 zerstört ein Wunschdenken: die Technik ermöglicht zwar per Streaming eine nie vorstellbare Vielfalt an Radioformaten - wirklich genutzt wird aber das, was terrestrisch eh schon vorhanden ist. Das gilt für das Webradio ebenso wie für den Download von Musikfiles.

Entwicklung der Radionutzung über das Internet


1999  2002  2005 
Onlinenutzer gesamt in Mio  11,2  28,3  37,5 
Radio über das Internet gehört in %  15  19  17 
Radio über das Internet gehört in Mio  1,7  5,4  6,4 

Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland (2005: n=1 075, 2002: n=1 011, 1999: n=1 002). Quellen: ARD/ZDF-Online-Studien 1999, 2000, 2005.

Vergleicht man die Zahl der Internet-Radiohörer mit der, die auf den „üblichen“ Empfangswegen das Radio einschalten, ist diese relativ gering: 2 Prozent aller Onliner hören täglich über das Internet Radio. Hochgerechnet entspricht dies einem Potenzial von 0,75 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Die Anzahl der „klassischen“ Radiohörer beläuft sich nach den Ergebnissen der MA 2005 Radio II aktuell auf 51,5 Millionen Erwachsene in Deutschland. Diese Relationen erscheinen auf den ersten Blick wie der Vergleich zwischen David und Goliath. In Anbetracht dessen, dass das Medium Radio – im Gegensatz zum Internet – nahezu täglich genutzt wird und fast überall verfügbar ist, ist dieser Vergleich jedoch zu relativieren. Dies gilt insbesondere hinsichtlich des Potenzials der wöchentlichen Internet-Radiohörer: Zurzeit liegt dieses Potenzial bei 2,6 Millionen Bundesdeutschen.

Höhere Verweildauer beim Internet-Radiohören

Deutlich angestiegen ist in den letzten Jahren die Verweildauer beim Internet-Radiohören. Durchschnittlich hört ein Onliner, der über das Internet verfügbare Radioprogramme nutzt, 88 Minuten dieses Programm. 1999 bzw. 2002 wurde gerade einmal die Hälfte dieser Verweildauer erreicht (43 Minuten bzw. 45 Minuten). Damit hat sich nicht nur die Zahl der Internet-Radiohörer in den letzten Jahren nahezu verdreifacht, auch die Zeit, die mit Internetradio verbracht wird, hat sich verdoppelt. Dennoch bleibt diese im Vergleich zur Verweildauer im Radio über die „üblichen“ Empfangsgeräte gering: Die Mediaanalyse 2005 Radio II weist eine tägliche Verweildauer für das Medium Radio von 244 Minuten aus.

Auch Internet-Hörer bevorzugen Mainstream

Webradio via iTunesÄhnlich wie bei der Auswahl der abgerufenen Musikfiles richtet sich auch bei der Wahl des Radioprogramms im Internet die Auswahl mehrheitlich nach dem üblicherweise gehörten Radioprogramm. 76 Prozent der Internet-Radiohörer begründen ihre Programmauswahl damit, dass sie „ohnehin im Internet sind und dort ihr Lieblingsprogramm“ aufrufen. 32 Prozent begründen ihre Entscheidung damit, dass sie „auch unterwegs ihr Radioprogramm hören“ möchten. Lediglich die Hälfte der Internet-Radiohörer verweist darauf, dass im Internet die Programmauswahl größer sei als über die klassischen Empfangswege (50 %).

Audio-Download über das Internet

Jeder dritte Internetnutzer (29 %) hat bereits im Internet Audiodateien abgerufen. Wenig überraschend handelt es sich dabei meist um Musikfiles (13 %). Als attraktiv erweisen sich aber auch Angebote aus den Bereichen Wissen, Bildung und Kultur (10 %), zum Beispiel Sprachkurse. Mit dem Abruf von Nachrichtenfiles, oder von Audiodateien aus den Bereichen Service und Ratgeber sowie von Hörbüchern und Hörspielen hat weniger als jeder Zehnte Erfahrung.

Wenig Erfahrung haben die bundesdeutschen User bisher auch mit den so genannten Podcasts gesammelt. Podcasts sind radioähnliche Sendungen oder Beiträge, die als MP3-Dateien auf Webservern bereitgehalten werden. Mittels spezieller Software können diese Podcasts abonniert und neue Folgen/Beiträge automatisch heruntergeladen werden – das „Wunschradio zum Mitnehmen“ steht bereit.

Obwohl es diese Podcasts erst seit 2004 gibt, haben in den USA nach einer aktuellen Untersuchung des „PEW Internet & American Life Project“ bereits sechs Millionen Amerikaner „Pods“ abgerufen. In Deutschland ist das (mobile) Wunschradio noch Zukunftsmusik. Laut der qualitativen Studie des Ernest-Dichter-Instituts „ARD/ZDF-Web-Welten: Von Onlinern und Offlinern 2005“ war diese Möglichkeit der mobilen, zeit-, orts- und programmplanunabhängigen Audio- bzw. Radionutzung selbst den innovationsfreudigen HyperActives unbekannt.
Bei Musik-Downloads dominiert Mainstream

Der Abruf von Audio-/Musikfiles erfolgt dagegen relativ häufig. Jeder Dritte, der Erfahrungen mit dem Abruf von Audiodateien hat, greift mindestens einmal wöchentlich, die meisten davon nahezu täglich, auf die Angebote zu. Bei den abgerufenen Musikfiles handelt es sich mitnichten um „Spezialmusik“, die in den gängigen Mainstreamprogrammen der Radioveranstalter nicht gespielt wird. Stattdessen liest sich die Hitliste der Audiodateien wie die Playlist deutscher Mehrheitswellen.

Abgerufene Musikdateien im Internet

Musikrichtung  Im Internet gehört  ... auch im Radio gehört  ... auch auf Tonträgern gehört 
Pop  35  25  32 
Rock/Hard Rock  34  27  32 
Hip-Hop  27  21  24 
Charts  12  11 
Soul/Funk/Black Music  10  8  
Klassik  10 
Alles gemischt  10  10 
Techno/Trance 
Oldies 
Schlager/Volksmusik 
Jazz 
Heavy Metal 
House 
Independent/Alternative 
Rap 

Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland, n=1 075. Teilgruppe: Onlinenutzer, die Musikfiles im Internet angehört bzw. abgerufen haben, n=145. Quellen: ARD/ZDF-Online-Studie 2005.

Der Abruf von Musikfiles folgt bei den meisten Nutzern nicht dem Bedürfnis, einmal andere Musik als sonst in den analog-terrestrisch verbreiteten Radioprogrammen zu hören. Spezialrichtungen wie zum Beispiel Weltmusik, Independent Music und House sind in der Hitliste der abgerufenen Musikfiles nur schwach vertreten. Stattdessen richtet sich der Abruf der Audiofiles nach dem Mehrheitsgeschmack: Pop, Rock, HipHop und Titel aus den aktuellen Charts – also die im Radio meistgespielten Genres – finden sich sowohl in der privaten CD-Sammlung als auch im Audiofile-Portfolio wieder.

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