Langeweile im Amt
Langeweile im Amt
Mit Einführung des Privatfunks wurden in Deutschland die Medienanstalten gegründet. Die Aufgabe war klar: Verteilung der raren Frequenzen und die damit zusammenhängende Lizenzierung von Privatsendern. Nun sind praktisch alle terrestrischen Frequenzen verteilt, Satellit und Kabel ebenfalls – was nun?
Es folgt der ganz normale, bürokratische Wahnsinn. Schon jetzt ist zu beobachten: Die Bürokratie erfindet sich neu. Und so auch die Anstalten. Sie suchen sich ihre neuen Aufgabengebiete einfach selbst, um ja nicht Hartz-IV-anfällig zu werden. So kommen zu Radio und Fernsehen mal schnell die Telemedien dazu. Schöner Begriff. Darunter fällt alles, was bunt, bebildert ist und mehr als ein Brummton von sich gibt.
Welche Daseinsberechtigung haben diese Behörden?
Fast alles, was mit einem «M» (= Medien) beginnt, oder was im weitesten Sinn mit alten Medien oder neuen Medien zu tun hat, wird einfach vereinnahmt. Der Versuch, die Lizenzierung von Internetradios an sich zu reißen, ist ja thematisch vielleicht noch naheliegend. Weniger technisch – denn die Ressourcen im Web sind unendlich. Aber es ist nicht originär, dass sich die Anstalten um Medienkompetenz von Jugendlichen im Internet kümmern, dem Jugendschutz im Web, ein Internet-ABC für die Kids!
Der Selbsterhaltungstrieb der Bürokraten
Und wer mal über die Webseiten der Medienanstalten surft, wundert sich über die Kreativität, sich als Anstalt unentbehrlich zu machen:
- Programmförderung
- Film- und Fernsehförderung
- Aus- und Fortbildung
- Bürgerfunk
- Medienpädagogik
- Medienkompetenz
- Mediennutzung
- Programmforschung
- Medienwirtschaft
- Rundfunktechnik
- technische Infrastruktur
- Jugendschutz
- Hörfunkpreis
- Fernsehpreis
- Bürgermedienpreis
- Medienpädagogischer Preis etc. pp.
Alles finanziert zu rund 80 % aus den Radio- und Fernsehgebühren. Dabei will der Bürger nur in Ruhe fernsehen oder Radio hören.
Die Bürokraten entdecken das iPhone
Das neueste Betätigungsfeld ist die Bereitstellung von Apps für das iPhone. So hat die Medienanstalt Berlin-Brandenburg eine mabb-App (mabb FMList) zum kostenlosen Download im iTunes-Store zur Verfügung gestellt. Die ermöglicht das deutschlandweite Auffinden einer Radiofrequenz des eigenen Lieblingssenders.
Wo wird die hoheitliche Tätigkeit dieser Medienanstalten mal enden? Mit dem iPhone ist schon das nächste Medium anvisiert. Telefone, die sich ja mehr und mehr zu Computern entwickeln, werden die nächsten Geräte sein, wo die Medienanstalten mitreden werden. Rundfunkgebühren müssen wir ja schon dafür zahlen. Irgendwann kommt dann noch das Netbook mit der eingebauten Kinderschutztaste zu einer der 14 Medienanstalten in dieser Republik. Und für den Kühlschrank mit dem eingebauten Fernseher? Auch da wird man erfinderisch sein. Vielleicht darf auf diesen Bildschirmen bis 19 Uhr nur der Kinderkanal laufen.
Tipp gegen Langeweile im Amt
Gehört nicht auch Print in den Bereich der Medienzuständigkeit dieser Anstalten? Schließlich diversifizieren die Verlagshäuser ihre publizistischen Tätigkeiten. Und zwar mehr und mehr in Richtung Internet – dem Medium der Zukunft. Da gibt es sicher noch viel zu tun – für die Selbsterfüllung des eigenen Daseins.
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